Über den Musikverein Kleinlützel



Er weiss es am besten

Pius Stich ist unser amtältestes Vereinsmitglied. Seit 48 Jahren, also fast von Anfang an ist er
uns treu. Auch heute noch verpasst er kaum eine Probe. Pius wird uns am Lebendigsten aus der
Geschichte des heute 50-jährigen Musikvereins plaudern können.

Als ältestes Aktivmitglied unseres Vereins weisst Du sicher auch noch, wie es vorher in unserem Dorf bezüglich Vereinsleben ausgesehen hatte.

Nun, wir hatten vorher zwei Musikvereine, eine „Schwarze“ und eine „Rote Musik“.
Diese wurden beide vor dem ersten Weltkrieg gegründet. Diese Vereine hatten aber trotz politischer
Trennung ein gutes Einvernehmen. Ab Beginn des zweiten Weltkrieges mussten beide Vereine
pausieren. Deren Mitglieder leisten Aktivdienst. Durch die harten Zeiten kam man sich menschlich
näher, und so stieg das Bedürfnis, wieder miteinander zu musizieren. Es kam zur Gründung des
neuen Musikverein Konkordia Kleinlützel.
Da man auf Anhieb keinen Dirigenten verpflichten konnte, kümmerte sich vorerst ein

Vereinsmitglied, nämlich Emil Dreier als Vizedirigent um die musikalischen Belangen des neu
gegründeten Musikkorps. Schon ein paar Tage später fand man in der Person von Marcel Steiner aus
Liesberg den ersten musikalischen Leiter.

Zu welchen Bedingungen trat den Herr Steiner ins neue Amt?

Laut dem damaligen Protokollbuch musste dem frischgebackenen Dirigenten drei Franken pro Probe
plus ein Zimmer mit Frühstück für die Nacht nach der Probe offeriert werden.

Erzähl doch noch etwas über die damalige Vereinsstruktur.


Als ich dem Verein beitrat, spielte ich bereits unter neuer Stabführung. Emil Geiger aus Basel
übernahm 1948 die musikalische Leitung.
Ein Jungmusikantenkurs dauerte damals nur etwa drei Monate, dann wurde man zwischen zwei
erfahrene Bläser gesetzt, und allmählich getraute man sich sogar den ersten Ton von sich zu geben.
1948 traten wir dem Thiersteiner Musikverband bei. Somit durften wir im folgenden Jahr erstmals
am Musiktag in Nunningen vor Experten spielen. Der Wettbewerb fand im Freien statt, die zwei
Experten sassen auf einem Baum. Unser Verein war damals viel grösser als heute; über vierzig
Mitglieder zählten dazu. Zu jener Zeit war neben dem musikalischen Aufritten auch Theaterspielen

eine wichtige Sache im Vereinsleben. Nahezu alljährlich wurde im Tellsaal eine Aufführung gezeigt.
In all den Jahren gab es viele Probleme und Konflikte zu lösen. Zum Beispiel stand das Traktandum
Dirigentenfrage an etlichen Versammlungen auf der Liste. Folgende Dirigenten seien bei dieser
Gelegenheit nach Emil Geiger erwähnt: Paul Gubler (1951-1955), Alban Schnell (-1964), Walter
Kamber (-1965). Ja, und von da an hatten wir, zumindest in diesem Punkt, keine Probleme mehr.
Urs Borer ist uns bis heute erhalten geblieben, seit sage und schreibe 30 Jahren.